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Österreichisches Bioindikatornetz (BIN)
Austrian Bio-Indicator Grid
Beweissicherung Kernkraftwerk Temelin - Untersuchung von Fichtennadelproben des österreichischen Bioindikatornetzes

Im Jahre 1990 wurde im Hinblick auf das Kernkraftwerk Temelin eine Zusammenarbeit des Landes Oberösterreich mit dem damaligen Bundesministerium für Gesundheit und Konsumentenschutz beschlossen. Zur Feststellung des Ist-Zustandes wurde ein detailiertes Messprogramm ausgearbeitet.

Ab 1994 wurden Fichtennadelproben aus der Umweltprobenbank der Forstlichen Bundesversuchsanstalt für dieses Messprogramm zur Verfügung gestellt. In dieser Umweltprobenbank befinden sich derzeit ca. 70.000 gemahlen Proben die durch Trocknung konserviert wurden. Um Kontaminationen auszuschließen werden diese Proben in Polyethylenbehälter aufbewahrt.

Durch diese sachgerechte Lagerung konnte die gammaspektroskopische Analyse ohne zusätzlichen Vorbereitungsschritt im Labor der Unterabteilung Lärm- und Strahlenschutz des Landes Oberösterreich vorgenommen werden.

Besonderes Interesse galt dabei dem Vergleich der Belastung vor und nach dem Atomunfall in Tschernobyl (Ende April 1986).

In der Tabelle ist eine Gesamtübersicht der Cs-137-Gehalte in Bq/kg an den jeweiligen Probenahmeorten als Mittelwert beider Bäume und beider Nadeljahrgänge dargestellt:

Ort

83

84

85

86

87

88

89

90

91

Engerwitzdorf



<3

1795

455

199

165

175

134

Liebenau



11

1626





156

St. Oswald



<3

1588





92

Ahorn

71

113

67

1413

281

221

231

263

275

Pitzenberg



<3

1205





204

Bad Leonfelden



19

979





222

Wernstein



<3

385





46

Ulrichsberg



20

147





57

Die unterschiedliche Deposition von Cs-137 im Jahre 1986 an den einzelnen Probenahmeorten ist deutlich erkennbar und stimmt gut mit Werten des Strahlenfrühwarnsystems überein. Die Messergebnisse belegen die Tatsache, dass in den westlichen Regionen Oberösterreichs in den ersten Maitagen des Jahres 1986 kaum kontaminierter Regen gefallen ist - besonders niedrig sind die Cäsiumwerte in Ulrichsberg und Wernstein.

Weiters ist ersichtlich, dass die Messorte Ulrichsberg, Ahorn, Bad Leonfelden und Liebenau im nördlichen Mühlviertel bereits eine signifikante Grundbelastung an Cs-137 (1985) noch vor den Tschernobyl-Fallout aufwiesen.

Diese Gehalte werden einerseits durch den Cäsiumgesamteintrag (Atomwaffen- und Tschernobyl-Fallout) bestimmt. Andererseits deuten erhebliche Aktivitätsunterschiede an ein und denselben Standort darauf hin, dass neben der Depositionsmenge auch Verschiedenheiten des Bodens, Alter des Baumes, Höhenlage, Niederschlagsmenge und biologische Aktivität für die Aufnahme von Cäsium aus dem Boden eine entscheidende Rolle spielen.

Erkennbar ist dies bei dem Vergleich der Standorte Engerwitzdorf und Ahorn. Die Aktivität an Cs-137 in den Nadeln ist am Standort Engerwitzdorf trotz höherer Deposition in den Folgejahren deutlich geringer als am Standort Ahorn.

Derzeit werden auch Proben aus den letzen Erhebungsjahren (bis 1998) untersucht, um einerseits die Entwicklung der Cäsiumkontamination durch Tschernobyl zu verfolgen, und andererseits aktuelle Daten für die Beweissicherung des Kernkraftwerkes Temelin zur Verfügung zu haben.



Weitere Informationen zur Beweissicherung Temelin bei:

Amt der Oberösterreichischen Landesregierung
Abteilung Umweltschutz - Unterabteilung Lärm und Strahlenschutz
Stockhofstrasse 40
A-4020 Linz
e-Mail: u-ut.post@ooe.gv.at



31.08.05 | Fürst, A.
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