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Österreichisches Bioindikatornetz (BIN)
Austrian Bio-Indicator Grid
Österreichisches Bioindikatornetz - Chlor
Chlor wird zumeist als Chlorwasserstoff (HCl) emittiert oder als chloridhaltige Auftausalze (NaCl, CaCl2, MgCl2) in den Wald eingetragen.

Chlorwasserstoff entsteht bei der thermische Verwertung von Reststoffen (z.B.: Müllverbrennung, Zementwerke, Papierindustrie, ...), in der metallbearbeitende Industrie (z.B.: Verzinkereien, Leiterplattenproduktion, Stahlerzeugung und Stahlveredelung) und in der chemische Industrie. HCl ist weniger phytotoxisch als Fluorwasserstoff und Schwefeldioxid. HCl ist aber zehnmal so toxisch wie das NaCl-Aerosol.
Die Säurewirkung führt zu einer Absenkung des pH-Wertes des Zellsaftes. Es kommt zu einer Schädigung der Chloroplasten, zur Plasmolyse und zur Beeinträchtigung der Assimilation bzw. des Stoffwechsels. Weiters treten auf: Zellwanddeformationen, Zerstörung der cytoplasmatischen Membran, Mesophyllzerstörung nach Aufnahme über die Stomata (verbunden mit einer tiefbraunen Verfärbung), Ausbleichung der Blattränder, Rand- und Spitzennekrosen, Verfärbungen und Ätzschäden, bei Nadeln treten Spitzenschädigungen auf. Der Nachweis erfolgt durch die Pflanzenanalyse, in der Zweiten Verordnung gegen Forstschädliche Luftverunreinigungen sind für die Baumarten Fichte (0,1% Cl) und Buche (0,1% Cl) wirkungsbezogene Grenzwerte festgelegt.

Chlor wird nicht bei allen Punkten des Bioindikatornetzes untersucht, aber die Punkte des Bioindikatornetzes sind in lokale Untersuchungsnetze in Emittentennähe eingebunden. Durch diese Einbindung läßt sich die zeitliche Entwicklung des Immissionseinflusses im Untersuchungsgebiet, ausgehend von den aktuellen Daten, extrapolieren. Derzeit werden rund 30  österreichische Emittenten mit lokalen Bioindikationsnetzen auf ihre Chlorimmissionen überwacht. Besondere Bedeutung erlangten die pflanzenanalytischen Untersuchungen auf Chlor zur Anlagenüberwachung in den letzten Jahren durch die verstärkte thermische Verwertung von Reststoffen. Bei diesen Emittengruppen handelt es sich zumeist um Emittenten aus der Gruppe Baustoffe (Zementwerke, Tonerzeugung, Ziegelwerke,..), aus der Gruppe Müllverbrennung/Deponie und Papier.

Ergebnisse der 2005 durchgeführten Blatt- und Nadelanalysen (1010 Proben)





Proben bei denen eine Grenzwertüberschreitung festgestellt werden konnte sind rot markiert.


Chloridhaltige Auftausalze
werden zur Eisfreihaltung von Straßen während der Wintermonate eingesetzt. Die Aufnahme des Chlorids erfolgt als Aerosol direkt über die Blätter und Nadeln bzw. gelangt Chlorid mit dem Schmelzwasser in den Boden und wird mit dem Saftstrom in die Assimilationsorgange transportiert. Chloridüberschuss wirkt transpirationshemmend und stört vor allem das osmotische Gleichgewicht. Es kommt zu Randnekrosen an Blättern und frühzeitiger Blattabfall bzw. zu Spitzennekrosen bei den Nadeln. Da Chlorid im Boden sehr mobil ist und rasch ausgewaschen werden kann, ist der optimale Probenahmetermin im Frühjahr knapp nach dem Austrieb. Im neuen Austrieb finden sich die höchsten Gehalte, so sind Werte bis zu 0,5-1% Cl möglich.

Die Verwendung von Proben des Bioindikatornetzes zur Feststellung eines Streusalzeinflusses ist nicht zielführend, weil der Einfluss sehr begrenzt ist (nur einige 100m beidseits der Straße) und die Probenahme beim Bioindikatornetz im Herbst erfolgt. Für Fragestellungen dieser Art sind lokale Untersuchungsnetze notwendig, so werden derzeit ebenso rund 30 Fälle pro Jahr untersucht.



Streusalzschäden entlang der Strasse

02.08.06 | Fürst, A.
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