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Verbiss
Knospen und Triebe von jungen Pflanzen gehören zum Nahrungsspektrum des Wildes und werden abgeäst. Je nach Intensität des Verbisses wird die Einzelpflanze dadurch unterschiedlich beeinträchtigt oder geschädigt.

Seitentriebverbiss ist für sehr junge Pflanzen, sehr starker Seitentriebverbiss auch für ältere Pflanzen ein Problem, da die Blatt- bzw. Nadelmasse für die Assimilation und damit für das Höhenwachstum fehlt. Leichter Seitentriebverbiss an älteren Pflanzen beeinträchtigt diese dagegen kaum.



Leittriebverbiss TanneLeittriebverbiss Tanne

Leittriebverbiss bzw. Terminaltriebverbiss beeinträchtigt direkt das Höhenwachstum und wirkt sich auf die Baumarten unterschiedlich aus (Während die Fichte durch aufstellen eines Seitentriebes noch im selben Jahr nahezu die gleiche Höhe erreichen kann wie wenn sie nicht verbissen worden wäre, wird die Tanne durch Leittriebverbiss in ihrem Höhenwachstum zwei Jahre aufgehalten). Sehr oft hat Leittriebverbiss zur Folge, dass die Pflanze als Ersatz zwei oder sogar mehrere Wipfeltriebe ausbildet. Dies bedeutet für den Baum einen erheblichen Wertverlust.
Besonders gravierende Auswirkung hat aber mehrjähriger Leittriebverbiss. Ist ein Großteil der Pflanzen einer Fläche davon betroffen, kann ein ganzer Bestand in seiner Höhenentwicklung stehen bleiben.

Sommerverbiss - Laubhölzer werden während des ganzen Vegetationszeitraumes verbissen.



vorjähriger Leittriebverbiss EscheAlljährlicher Leittriebverbiss Ahorn

Winterverbiss ist die häufigste Schadensursache. Waldbäume dienen meist mangels anderem Angebot als Winteräsung. Eine Beurteilung des Frühjahrsaspektes orientiert über Umfang und Schwere solcher Schäden.

Tanne wird fast ausschließlich im Winter verbissen, da sie während der Vegetationsperiode wegen der im Vergleich zu anderen Pflanzen höheren Gerbstoffkonzentration vom Wild ungern angenommen wird.

Gehölze verlieren durch Verbiss im Winter ihre Knospen und können zu Beginn der Vegetationsperiode nicht austreiben, sondern müssen erst neue Knospen bilden.


Winterverbiss Tanne
Winterverbiss Laubhölzer


Die Fichte, Österreichs häufigste Baumart, wird gern während des Austreibens im Frühjahr verbissen, bei Äsungsmangel aber auch ganzjärig. Ist kein anderes Nahrungsangebot vorhanden, wird die Fichte mitunter so stark verbissen, dass sie mit 40 Jahren noch immer nicht über Kniehöhe gewachsen ist (Kollerbusch).

Kann eine Jugendfläche verbissbedingt z.B. 25 Jahre lang nicht weiterwachsen, so bedeutet das bei einer Umtriebszeit von 100 Jahren immerhin einen Wertverlust von einem Viertel des Bestandeswertes, bei kürzeren Umtriebszeiten noch mehr. Sind einzelne Baumarten mehr von Verbiss betroffen als andere spricht man von selektivem Verbiss (siehe Entmischung des Bestandes).

Keimlingsverbiss: Keimlinge sind eine besonders nährstoffreiche attraktive Nahrung und werden zumeist abgeäst, bevor sie verholzen. Dadurch können einzelne Baumarten oft unbemerkt aus der Verjüngung verschwinden, oder in verjüngungsnotwendigen Althölzern die Verjüngung gänzlich "ausbleiben".



massenhaft BuchenkeimlingeBuchenkeimlinge

In Schutzwäldern bedeutet das Ausbleiben von Verjüngung eine Destabilisierung und dadurch mit der Zeit eine Gefährdung des Waldes selbst und der von ihm geschützten Siedlungen oder Strassen und damit der Menschen.

Die Beurteilung des Verbissschadens

In Wirtschaftswäldern, die mittels Naturverjüngung im letzten Viertel des Bestandeslebens schon vor der Nutzung verjüngt werden sollen bedeutet dies wiederum einen entsprechenden Zeit- und damit Wertverlust. Das Verschwinden von momentan wirtschaftlich nicht mehr so interessanten Baumarten kann aber zu ökologischen Problemen führen und somit aus landeskultureller Sicht ebenfalls als Schaden betrachtet werden. Die langfristigen wirtschaftlichen Auswirkungen sind nicht so einfach zu berechnen und werden daher meistens kurzerhand ausgeblendet.

Das Ausmaß des Schadens wird gewöhnlich durch Vergleich der Verjüngung von gezäunten gegenüber ungezäunten Flächen identer Standorte zu erfassen versucht. Solche Weiserflächen, meist 12x12 m können jedoch nur eingeschränkt Hinweise geben, da dort die ebenfalls geschützte Konkurrenzvegetation ungehindert wächst und mögliche neu ankommende Keimlinge ausdunkeln kann. Mäuse haben hier am Keimlingsverbiß großen Anteil. Sie fühlen sich im Zaun und der dort meist dichteren Vegetation geschützt, so kommt es oft innerhalb des Zaunes zu höherer Mausaktivität als außerhalb. Diese Überlagerung des Einflusses erschwert oft die Beurteilung des Wildeinflusses, der daher oft unterschätzt wird. Die monetäre Bewertung von Wildschäden für die finanzielle Entschädigung erfolgt nicht immer einheitlich, lehnt sich jedoch zumeist an die "Hilfsmittel zur Erhebung und Bewertung von Verbiss und Fegeschäden" des BFW an.

Entmischung des Bestandes

Innerhalb des Jungwuchses werden vom Wild bestimmte Baumarten als Äsung bevorzugt (selektiver Verbiss). Der Verbiss behindert ihre Entwicklung gewöhnlich sosehr, dass sie von den weniger verbissenen Konkurrenten überholt und schließlich ausgedunkelt werden. Sie fallen früher oder später aus, der Bestand entwickelt sich zu einer Monokultur.

Zumeist betrifft dieser Konkurrenznachteil, wie gleichermaßen auch die zum Fegen und Schlagen ausgewählten Bäume, die ohnehin selteneren Arten, deren Ausscheiden daher waldbaulich umso schwerer wiegt. Solche Schäden werden durch dauerhaft markierte und periodisch aufgenommene Verbisskontrollflächen erfasst, wobei je nach Bundesland unterschiedliche Vorgangsweisen angewendet werden. Manchmal ist trotz ausreichender Anzahl von Keimlingen ein Wildzaun die einzige Möglichkeit Mischbaumarten durchzubringen, damit sind hohe Kosten verbunden.
21.08.06 | Bearbeitung: Lackner
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