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Verbißschutz
Einzelpflanzen oder Verjüngungsflächen werden mit chemischen, mechanischen und biotechnischen Mitteln gegen Verbiß geschützt. Dabei ist es nicht nötig, sämtliche Bäumchen zu schützen, sondern lediglich die Zukunftsstämme jener Arten, die den Folgebestand bilden sollen. Verbiß an den restlichen Gehölzen ist nicht als Schaden zu werten.

Chemischer Verbißschutz

Neben mehr oder minder gut funktionierenden, vom Anwender hergestellten ”Hausmitteln", existiert eine Vielzahl von Präparaten, die zum Einzelschutz gegen Verbiß im Handel angeboten werden. Eine Voraussetzung der Freigabe zum Verkauf ist die eingehende und längerfristige Prüfung solcher Mittel durch die Bundesamt und Forschungszentrum für Wald hinsichtlich Wirksamkeit und Pflanzenverträglichkeit. Mittel, die gut und dauerhaft färben, bieten den Vorteil des besseren Überblickes über die Verteilung geschützter Bäume bei Ausbringung und Kontrolle. Darüberhinaus kann Wild lernen, daß derart eingefärbte Triebe ungenießbar sind.


Gegenwärtig werden 10 Winter- und 2 Sommerverbißschutzmittel angeboten. Sommerverbißschutzmittel sind schwieriger herzustellen, da der gesamte Trieb auch während jener Zeit geschützt sein muß, in der er sich streckt. Darüberhinaus darf ein Mittel die Pflanzen weder mechanisch im Wachstum beeinträchtigen noch die in diesem Zeitraum rege Stoffwechseltätigkeit stören. Je nach Gebrauchsanleitung können diese Mittel im Tauch-, Streich- und/oder Spritzverfahren ausgebracht werden. Eigene Erfahrungen zeigen, daß das Spritzverfahren die schnellste Applikationsmöglichkeit ist, das Streichverfahren jedoch den besten Schutz durch das Mittel gewährleistet. Die Ausbringung soll auf trockene Pflanzen bei Witterungsbedingungen erfolgen, die dem Mittel genügend Zeit zum Antrocknen ermöglichen.

Mechanische Verbißschutzmittel

unterliegen nicht der Prüfungspflicht durch die Bundesamt und Forschungszentrum für Wald. Im Handel werden Verbißschutzkappen angeboten, die mit dem Wipfeltrieb mitwachsen und Terminalknospenschutz, der nachjustiert werden muß. Beide sind für Nadelbäume konzipiert. Nachteile des ersteren können mechanische Beeinträchtigungen des noch weichen Wipfeltriebes sein sowie auch das vorzeitige Abfallen durch Wind, Schnee oder Abstreifen. Ein Vorteil wäre die mögliche, mehrjährige Schutzwirkung nach einmaliger Applikation. Auch Werg oder Schafwolle können, in lockeren Flocken, zum Schutz des Terminaltriebes aufgebracht werden. Mineralwolle darf wegen der Gefahr für Tiere dafür nicht verwendet werden! Es bedarf einiger Übung, diese Materialien so anzubringen, daß sie den Trieb nicht einschnüren oder verbiegen und dabei dennoch am Ort verbleiben.


Besonders Laubbäume werden häufig durch ”Baumschutzmonosäulen" gegen Verbiß und Fegen geschützt. Monosäulen sind transparente Plastikröhren, deren Höhe über die Reichweite des Äsers des örtlichen Standwildes reichen soll. Die so geschützten Bäume erreichen meist rasch die nötige Höhe, um dem Äser zu entwachsen. Dieser aus Plastik bestehende Schutz zerfällt mit den Jahren unter Einfluß ultravioletter Strahlen von selbst und muß daher nicht entfernt werden. Da solche Hüllen doch eine erhebliche Lichtmenge absorbieren, ist ihre Anwendung an Bäumen unter Schirm problematisch. Auch Mäuse, die Baumrinde und Knospen benagen können, werden manchmal von einer Monosäule angezogen, da sie sich dort vor Feinden und Witterung geschützt fühlen. Für Singvögel, die sich oft aus solchen Säulen nicht mehr befreien können, kann sie zur tödlichen Falle werden.

Wenn wertvolle Mischbäume aufgrund ihrer Seltenheit und Beliebtheit starkem Verbiß- und/oder Fegedruck ausgesetzt sind, werden diese nicht selten einzeln durch Drahtkörbe geschützt. Diese Methode ist aufwendig und teuer. Wenn Drahtkörbe nicht rechtzeitig entfernt werden, durchwächst die geschützte Pflanze das Drahtgeflecht, es behindert diesen Baum zunehmend am Weiterwachsen. Die Wirkung von Schneedruck und Eisanhang am Drahtkorb wird oft unterschätzt. Nicht selten fällt so ein Schutz mit dem zu schützenden Baum um. Das Entfernen dieser Schutzeinrichtungen kann zeit- und kostenaufwendiger sein, als deren Anbringung.

An besonders gefährdeten Standorten oder Kulturen (z.B. Douglasie) wird nicht selten die gesamte Fläche durch Zaun geschützt. Allerdings geht dem Wild durch Auszäunen vegetationsreicher Flächen (zumeist Verjüngungsflächen) wertvolle Äsungsfläche verloren. Allgemein gilt, daß die Zaunfläche umso eher wildfrei gehalten werden kann, je kleiner sie ist. Regelmäßige Kontrollen mit stöberndem Hund minimieren das Wildschadensrisiko. Einmal eingedrungenes Wild fühlt sich im Zaun sicherer als außerhalb und kann empfindlichen Schaden verursachen. Errichten wilddichter Drahtzäune ist teuer und oft wegen des Geländes schwer durchführbar. Seine Funktion muß darüberhinaus laufend kontrolliert werden. Wilddichte Zäune sind zumeist auf längere Standdauer konzipiert. Auch das Abtragen solcher Anlagen kann erhebliche Kosten verursachen.

Ist der Flächenschutz für wenige Jahre vorgesehen, haben sich Elektrozäune (in vielen Fällen wird Solarstrom genutzt) bewährt. Ihre Errichtung, Erhaltung und ihr Abbau ist wesentlich schneller und kostengünstiger durchführbar als Drahtgitterzäune, speziell im schwierigen Gelände. Sie bedürfen aber noch intensiverer Kontrolle, da sehr leicht Kurzschlüsse entstehen, die zumeist durch die umgebende Vegetation verursacht werden. Je nach Widerstand des Auslösers vermindern Kurzschlüsse die Wirkung des Zaunes bzw. sie heben diese auf. Drähte und Bänder einer solchen Anlage sind mechanisch weniger widerstandsfähig als Drahtgitter, sie reißen leichter durch herabfallende Zweige. Solche Zäune sind in vielen Bereichen im Winter nicht anwendbar.

Biotechnische Maßnahmen

Als biotechnische Maßnahme eines Flächenschutzes sind "Verstänkerungsmittel" zu werten. Im Handel werden etliche Präparate angeboten, ihre Wirkung reichte jedoch in keinem Fall aus, eine Anerkennung durch die Bundesamt und Forschungszentrum für Wald zu erlangen. Netze, die mit Menschenhaar (bei Frisören leicht zu bekommen) gefüllt, im Abstand von etwa 20 m zwischen die zu schützenden Bäume gehängt werden, haben zumindest während der Austriebszeit im Frühjahr hinreichende repellente Wirkung, die jedoch wegen des Gewöhnungseffektes des Wildes bald nachläßt. Von einer zu häufigen Anwendung dieser Methode ist daher abzuraten.
22.08.06 | Bearbeitung: Lackner
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