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Entomologie


 
Trypodendron laeve - Vorkommen in Ostösterreich

H. Krehan, Carolus Holzschuh


Überraschend hohe Pheromonfallen - Fangzahlen

Ursprünglich wurde nur eine einzige mit Linoprax beköderte Pheromomfalle in Sollenau am 3. März 1999 zu dem Zweck aufgestellt, um Lebendmaterial für DNA-Analysen von den bei uns vorkommenden Trypodendron-Arten zu erhalten – insgeheim wurde auch der Anflug von T. laeve Eggers erhofft. Bei der 1. Kontrolle am 5. März war die Überraschung umso größer, als der Anteil von dieser Art bei fast 60% lag. Daraufhin wurden auch in Merkenstein und Altenburg solche Fallen installiert. T. laeve wurde auch in Altenburg gefangen und wies überall den selben Trend auf, wie bereits bei vorherigen Untersuchungen in Österreich beobachtet wurde (Holzschuh, 1995): Die Art besitzt eine nur relativ kurze Flugzeit, die sehr früh im Jahr ihren Höhepunkt erreicht.

An den 3 verschiedenen Orten in Niederösterreich wurden die Nutzholzborkenkäferpheromonfallen entweder mit dem in Österreich nicht mehr erhältlichen Linoprax- oder dem Linowit- Pheromondispensern bestückt und im Zeitraum vom 3.3. bis zum 14.7. 1999 ausgewertet.

Standort 1:
Sollenau: Kleines Kiefernwäldchen (Schwarz- und Weißkiefern) nördlich des Rundholzlagerplatzes eines Sägewerkes, welches auch Holz aus osteuropäischen Staaten importiert und verarbeitet.
Standort 2:
Lehrforst Merkenstein (Bezirk Baden) auf einer Schlagfläche.
Standort 3:
Altenburg (Bezirk Horn) Freifläche im Bereich eines ca. 100-jährigen Weißkiefernbestandes und einer Eichenaufforstung.


Flugverlauf und Geschlechterverhältnis

Schon in der ersten Woche nach dem Aufstellen der Fallen konnten relativ große Mengen Nutzholzborkenkäfer in den Theysohn Schlitzfallen gefangen werden. Da offensichtlich T. laeve früher schwärmt als der in Österreich allgemein verbreitete Gestreifte Nutzholzborkenkäfer T. lineatum, war der Fanganteil vor allem in den ersten Wochen der Untersuchungsperiode ungewöhnlich hoch (Abb. 1 und Abb.2). Nach dem 28. April wurden in Sollenau und Altenburg keine T. laeve mehr gefangen, T. lineatum jedoch noch bis in den Juli. Neben diesen beiden Nadelholznutzholzborkenkäfern wurden in den Fallen in Altenburg und Merkenstein auch vereinzelt die Laubnutzholzborkenkäfer T. domesticum und T. signatum angelockt. (Abb. 3)

Das Männchen/Weibchen - Verhältnis ist bei Trypodendron laeve während der gesamten Fangperiode meist ausgeglichen, bei T. lineatum wurden stets mehr Männchen gefangen solange nennenswerte Stückzahlen in den Fallen vorgefunden wurden.

Der Schwärmhöhepunkt von T. laeve war in Sollenau bei der ersten Kontrolle am 5.3.,
in Altenburg erst in der Woche zwischen 30. März und 8. April, jedoch war die Falle in Altenburg am 3.3. noch nicht vorhanden. In dieser Woche wurden witteringsbedingt sowohl in Sollenau als auch in Altenburg die meisten T. lineatum gefangen. In Merkenstein war die Fangzahl am 5. Mai am höchsten, aber auch dort gab es am 7. April ein Peak.


Mögliche Verbreitung in anderen Teilen Europas

T. laeve wurde in Österreich erstmals 1982 in Niederösterreich entdeckt und bald darauf auch aus dem Burgenland nachgewiesen (Holzschuh, 1990a) sowie später von den Bundesländern Wien, Oberösterreich und Steiermark zum ersten Mal gemeldet (Holzschuh, 1990b). Alle Nachweise, ausgenommen jene aus dem Burgenland, stammen von Pheromonfallenfängen! Die Pheronfallenuntersuchungen in Österreich zeigen deutlich, daß diese Art zumindest in Ostösterreich bereits weit verbreitet ist.

Die Biologie und auch das Brutbild (mit Ambrosiapilz besiedelte radial ins Holz gehende Leitersprossengänge) beider Arten sind einander wahrscheinlich sehr ähnlich. In Holzschuh (1990a) sind die Unterschiede zu T. lineatum (Olivier), einschließlich der Abbildung der Männchen-Genitalien, ausführlich dargestellt.

Verbreitung in Asien und Europa: Japan, Sachalin, China, Norwegen, Schweden, Finnland, Polen, Estland, Tschechien, Österreich.

Pfeffer (1989) synonymisiert Trypodendron piceum Strand - ein jüngeres Synonym von T. laeve Eggers (Holzschuh, 199a) - irrtümlich mit T.proximum Niijima, was er aber später in seiner Bestimmungstabelle der westpalaearktischen Borkenkäferarten (Pfeffer, 1994) wieder richtigstellt. Diese falsche Synonymisierung dürfte auch der Grund sein, daß neuerdings T.proximum aus Estland gemeldet wurde (Voolma et al., 1997).


Literatur
Holzschuh C., 1990a: Ein neuer, gefährlicher Nutzholzborkenkäfer in Österreich! – Forstschutz-Aktuel; Wien, 3:2.
Holzschuh C., 1990b: Ergebnisse von Untersuchungen über die Einschleppung von Borkenkäfern an Holzlager- und Umschlagplätzen. – Forstschutz-Aktuell, Wien, 5:7-8.
Holzschuh C., 1995: Forstschädlinge, die in den letzten fünfzig Jahren in Österreich eingewandert sind oder eingeschleppt wurden. – Stapfia 84:129-141.
Pfeffer A., 1989: Taxonomischer Status einiger Arten der Gattung Xyloterus Erichson (Coleoptera, Scolytidae). – Acta Entomol. Bohemoslov., 86:129-136.
Pfeffer, A., 1994: Zentral- und westpaläarktische Borken- und Kernkäfer (Coleoptera: Scolytidae, Platypodidae). – Entomologica Basiliensia 17:5-310.
Voolma, K., Õunao, H. & I. Süda, 1997: Bark Beetles (Coleoptera, Scolytidae) of Estonia: results of the examination of insect collections. – Baltic Forestry, 3:19-23.


Der Beitrag wurde auch veröffentlich in :Forstschutz Aktuell Nr. 23


1999-05-25 (TomC/FeiH).  Rückfragen: Hannes.Krehan@bfw.gv.at
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