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Pilzkrankheiten in Zusammenhang mit der künstlichen Bestandesbegründung
T. Cech

hallimaschfruchtkörper
Hallimaschfruchtkörper an einem befallenen Stamm

Wurzelinfektionen

Als Folge unsachgemäßer Pflanzmethoden oder falscher Standortswahl treten in Aufforstungen nicht selten Pilzkrankheiten auf, die in Naturverjüngungen weit geringere Bedeutung erlangen.

Bei den Wurzelfäulen hat der Hallimasch die Hauptbedeutung, bei Koniferen auch Heterobasidion annosum. Ein Vergleich der beiden Pilzkrankheiten mit dem Schwerpunkt auf Symptomunterschiede soll die Diagnose an Ort und Stelle erleichtern:

Hallimasch Heterobasidion
A. mellea (Laubgehölze)
A. ostoyae (Koniferen)

Vergilbung des jüngsten Jahrganges, später Rotfärbung der anderen Jahrgänge, jüngster bleibt noch eine Weile gelb

Am Stammfuß unter der Borke weiße Mycellappen (Fächer), später Stränge

Harzfluß
Fruchtkörper
Rasches Absterben aller Altersstufen

H. annosum (Kiefern)
H. parviporum (Fichten)

gesamter Nadelbesatz zuerst gelbgrün, dann rot, dann braun

Am Stammfuß unter der Borke weißes, dünnes und flächiges Mycel, keine Stränge

Fruchtkörper
Harzreiche Koniferen (Kiefer)
rasches Absterben der Wurzeln, Infektion meist tödlich, primär keine Fäule
Harzarme Koniferen (Fichte)
rasches Absterben nur bei Jungpflanzen, sonst längeres Überleben, Stammfäule

Heterobasidion ist vor allem an Standorten ein Problem, die zuvor langfristig landwirtschaftlich genutzt wurden, da dort die antagonistischen Pilze im Boden fehlen, die in Waldböden die epidemische Ausbreitung von Heterobasidion verhindern. In Österreich stehen demgegenüber Verletzungen im Wurzel- und Stammanlaufbereich an erster Stelle bei den Infektionsvoraussetzungen.

Verticillium-Welken

Diese bei Jungpflanzen meist tödlich verlaufenden Krankheiten treten nur bei Laubgehölzen auf. Ursachen sind infiziertes Pflanzgut, Nährstoffinbalancen (hoher Nitratgehalt des Bodens), Wunden, Trockenstreß und Frost. Am häufigsten sind Verticillium-Welken bei Ahorn, Linden und Roßkastanien. Charakteristisch sind das Verwelken einzelner Äste bzw. der gesamten Pflanze bald nach oder während dem Austreiben, eingefallene streifenförmige Flächen mit Rissen und manchmal Gummifluß an der Zweigrinde, sowie das graugrün bis bläulich verfärbte Splintholz erkrankter Äste bzw. Stämme (Querschnitt). Letzteres unterscheidet die Verticillium-Welke von ähnlichen Erscheinungen, wie zum Beispiel dem Absterben von Ahorn und Kirschen in Stammsäulen infolge von Hitzeeinwirkung.

Die Infektion erfolgt über die Wurzeln. Verticillium kann aufgrund von Dauerstadien jahrelang im Boden überleben, weshalb an durchseuchten Standorten entweder ein sorgfältiger Bodenaustausch vor der Neupflanzung erforderlich ist oder mit resistenten Baumarten aufgeforstet werden muß. Schwach erkrankte Pflanzen können manchmal durch vorsichtige Düngergaben (Ammonium, nicht Nitrat!) und ausgewogene Bewässerung gerettet werden.

teerflecken bei phytophthora
Teerflecken bei Phythophthora

Phytophthora – Wurzelkrankheiten

Phytophthora-Infektionen sind seit einigen Jahren europaweit im Zunehmen, was möglicherweise auf die niederschlagsreichere Witterung nach jahrzehntelangem Wassermangel zurückzuführen ist. Zahlreiche Laubbaumarten können befallen werden, bei Koniferen ist die Krankheit selten (Eiben, Scheinzypressen, Kiefern).

Erkrankte Pflanzen zeigen eine länger dauernde Kleinblättrigkeit und Blattvergilbung meist in der gesamten Krone, am Stamm tritt oft Saft aus ("Teerflecken"), und von der Stammbasis ausgehend stirbt die Rinde großflächig ab. Wenn bei diesen Symptomen (noch) keine Fäule im Holz zu erkennen ist, liegt der Verdacht auf Phytophthora-Infektion nahe. Im Falle primärer Wurzelfäule aufgrund von Staunässe sind die Wurzeln blauschwarz verfärbt. Phytophthora-Krankheiten treten oft an stark gedüngten, stets jedoch auch nassen Standorten auf. Eine mögliche Ausbreitungsquelle sind Pflanzgärten (Dauersporen im Boden!).

Schneckenbasidie

Dies ist ein Beispiel für eine eher seltene Pilzkrankheit der Wurzeln bzw. des Stammanlaufes.

Die Schneckenbasidie (Helicobasidium brebissonii) ist ein höherer Pilz, dessen Fruchtkörper als rosaviolette Matten Erdreich und Stämmchenbasis verschiedener verholzter Pflanzen bedecken. Die Pilzfäden dringen vom Boden aus in die Wurzeln und den Stamm ein und bringen die Pflanzen zum Absterben. Die Schneckenbasidie tritt bevorzugt an zuvor landwirtschaftlich genutzten Standorten auf, vor allem, wenn Kleearten oder Luzerne angebaut wurden, wobei auch eine lokale hohe Luftfeuchtigkeit notwendig ist. Drainage-Maßnahmen bzw. Kurzhalten der Vergrasung können hier Abhilfe schaffen.


Schütten

Die häufigsten Arten von Schütten bei Waldbäumen sind Lophodermium-Arten, die vor allem an Kiefern zu erheblichen Nadelverlusten führen können, sowie bei Douglasien die Russige und die aggressivere Rostige Schütte. Eine Besonderheit stellt die Rosellinia-Schütte der Fichte dar.

Allen Schütten gemeinsam ist das Auftreten in luftfeuchten, dumpfen Lagen. Dichtstand der Pflanzen verstärkt das Problem, da hier die Nadeln der unteren Astpartien unter Lichtmangel leiden und leichter befallen werden. Die Rosellinia-Nadelschütte benötigt zusätzlich überdurchschnittlich nebelreiche Witterung.

Im Folgenden sind die wichtigsten Unterscheidungsmerkmale der angeführten Schütten gegenübergestellt:

Lophodermium-Arten Russige Douglasienschütte
(Phaeocryptopus gaeumannii)
Rostige Douglasienschütte
(Cryptocline pseudotsugae)
Rosellinia-Nadelschütte
(Rosellinia mycophila)
An den Nadeln linsenförmige oder schiffchenförmige, schwarz glänzende flache Fruchtkörper von 0,5-1mm Länge in großer Zahl An der Nadelunterseite zahlreiche winzige schwarze Punkte, die manchmal eine weiße Spitze erkennen lassen An den Nadeln zahlreiche Mm-lange aufplatzende Stellen mit weißlichem Saum, nach Befeuchtung orangebraun Nadeln durch schwarzbraune Pilzstränge verklebt, mit häufigen kugelförmigen schwarzen Fruchtkörpern

Triebsterben, Zweigsterben und Aststerben

Lärchenkrebs

Der Lärchenkrebs, hervorgerufen durch den Schlauchpilz Lachnellula willkommii, dürfte in Österreich weiträumig in Ausbreitung begriffen sein. Hierfür verantwortlich sind empfindliche Herkünfte, mit denen vor 30 bis 40 Jahren aufgeforstet wurde, vermutlich in Verbindung mit für den Lärchenkrebs günstiger Witterung (Niederschläge) und mangelnder Waldhygiene (Dichtstand).

An Zweigen, Ästen und am Stamm entstehen aufplatzende Wucherungen und nach einiger Zeit sterben die außerhalb liegenden Zweigteile ab. In der Krone älterer Lärchen kann die Krankheit auch Hexenbesen hervorrufen.

Der Lärchenkrebs bildet in den Wucherungen relativ rasch Fruchtkörper: etwa 1-2 Millimeter große Scheibchen mit orangegelber Oberfläche. Diese in Verbindung mit den Wucherungen ermöglichen eine sichere Diagnose.

rindenschildkrankheit bei douglasie
Rindenschildkrankheit bei Douglasie

Rindenschildkrankheit der Douglasie (Potebniamyces coniferarum)

Diese häufige Krankheit bewirkt das Austrocknen von Ast- und Stammteilen junger Douglasien und seltener anderer Koniferen (z.B.Lärchen). An der Rinde erscheinen eingesunkene Flächen mit winzigen Sporenlagern. Vorbedingungen für den Befall sind Trockenstreß, vor allem, wenn die Pflanze sonst optimal mit Wasser versorgt ist, weiters Frost (besonders plötzliche starke Winterfrosteinbrüche), Versetzungsschock (Versetzen in schwere Böden) und Verletzungen aller Art. An Standorten mit schweren und nassen Böden vermischt sich das Auftreten der Rindenschildkrankheit oft mit den Symptomen von Nährstoffproblemen.

Knospenaustriebsstörungen, Schlängelwuchs, Zwiesel, Verbuschung, Triebstauchungen, Nekrosen des inneren Bastes, Harzaustritt am Stamm und Chlorose des jüngsten Nadeljahrganges deuten auf erhöhte Mangangehalte im Boden hin, die den Wuchsstoffshaushalt der Douglasien stören. Auf schweren Böden sollte daher die Pflanzung von Douglasien vermieden werden.

triebnekrosen an fichte
Triebnekrosen an Fichte

Trieb- und Wipfelsterben bei jungen Fichten

Manche Fichtenkulturen sind oft jahrelang von wiederholtem Zurücksterben von Wipfelteilen betroffen, wofür meist mehrere Arten von mikroskopischen Pilzen verantwortlich sind. Die Schäden treten selten großflächig auf, sind jedoch in Österreich häufig. Allen Schadensflächen gemeinsam sind hohe Luftfeuchtigkeit (Nebellagen!) und Dichtstand.

Die wichtigsten beteiligten Pilze sind Sirococcus conigenus, der Fichtenzapfenrost Pucciniastrum areolatum und Phomopsis- Arten. Der Fichtenzapfenrost ist in Österreich recht häufig, befällt aber normalerweise nur die Samenanlagen der Fichtenzapfen. Die Schuppen am Boden liegender Zapfen sind unnatürlich stark abgespreizt, und darunter befinden sich statt der Samen zahlreiche, kugelförmige braune Sporenlager. Wie bei vielen Rostpilzen wird eine zweite Wirtspflanzenart befallen, beim Fichtenzapfenrost ist es die Traubenkirsche, an deren lebenden Blättern im Sommer nach Infektion durch die Sporen aus den Fichtenzapfen winzige violettrosa Flecken von eckigem Umriß entstehen. Hier entwickeln sich die Sommersporen. An den abgefallenen faulenden Blättern werden über den Winter weitere Sporen gebildet, die im Frühjahr junge Fichtenzapfen befallen.

Bei starkem Infektionsdruck können diese Wintersporen auch junge Fichtentriebe infizieren, wo sie im Herbst bzw. im nächsten Frühjahr charakteristische Absterbenssymptome hervorrufen: die Rinde der weitgehend ausgereiften Triebe vertrocknet und die Oberfläche verfärbt sich lokal schwarz. Danach krümmt sich der Trieb und die Nadeln vergilben und fallen ab. Unmittelbar nach Erscheinen der ersten Symptome beginnt die Überwipfelung durch einen Seitentrieb. In den schwarzen Flächen des absterbenden Triebes entwickeln sich gelegentlich die gleichen Sporenlager wie in den Fichtenzapfen.

Sirococcus-Triebsterben äußert sich im Absterben junger Fichtentriebe während oder unmittelbar nach dem Austreiben. Auch hier sind Verzweigungsanomalien die Folge. Phomopsis-Arten verursachen ebenfalls ein Zurücksterben bereits weitgehend ausgereifter Triebe, ohne daß sich die für Pucciniastrum charakteristischen schwärzlichen Nekrosen entwickeln. Gewißheit erfordert hier jedoch mikroskopische Untersuchungen.


frühstadium scleroderris
Früstadium bei Scleroderris-Befall

Krankheiten in Hochlagen

Das alpine Kieferntriebsterben (Scleroderris-Krankheit) und das alpine Lärchentriebsterben (Ascocalyx laricina) sind die bedeutendsten Krankheiten in Hochlagenaufforstungen. Bei Zirben ist das Frühstadium der Scleroderris-Krankheit besonders charakteristisch: die Nadeln rund um die abgestorbene Spitzenknospe sind rotbraun verfärbt. Beim Lärchentriebsterben erscheinen kleine Anschwellungen an den Triebbasen, die aber auch alleine durch Frost bedingt sein können.

Beide Krankheiten treten primär witterungsbedingt auf: kühlfeuchte Sommer begünstigen die Sporenproduktion, aber auch die Verzögerung des Ausreifens der Triebe (Erhöhung der Infektionsanfälligkeit). Überdurchschnittlich lange Schneebedeckung im Frühjahr gewährleistet optimale Infektionstemperaturen. Das Wachstums des Mycels wird ebenfalls durch kalte Witterung gefördert. Schließlich sind Pflanzen aus Zirbenbeständen geringerer Seehöhe auf den Austrieb unter Kurztagsbedingungen programmiert – sie treiben in hohen Lagen daher bei zu niedrigen Temperaturen aus und werden leichter infiziert.

Bei Aufforstungen in Lagen über 1800m Seehöhe (Zirben und Lärchen) ist mit Problemen zu rechnen, wenn große Pflanzenmengen an Stellen gesetzt werden, an denen die oben genannten Bedingungen herrschen.


Dieser Beitrag wurde als Referat bei der Tagung "Fehler bei der künstlichen Bestandesbegründung" vorgetragen.


PfiA, 2000-04-07 | Rückfragen: Thomas.Cech@bfw.gv.at | Index  | Suche |